Konditorei & Bäckerei Hofmann aus Ottendorf-Okrilla: Firmengeschichte

Die Konditorei und Bäckerei Hofmann bäckt den Original Dresdner Christstollen nun schon in der 4. GenerationBacken in der 4. Generation

Vor mehr als 100 Jahren begann...

...im Ortsteil Ottendorf auf den Parzellen des Flurstückes 631 , die an der Straße nach Radeburg lagen, eine rege Bautätigkeit. Heute ist das die Einmündung Rathenaustraße/ Radeburger Str. Ein größeres Gebäude ist hier besonders auffällig, die Bäckerei. Das Bauwerk wurde ab 1899 als Wohn- und Gewerbehaus errichtet und im Keller eine Bäckerei vorgesehen. Der 27-jährige Hiller kam mit seiner Familie 1906 aus Bischofwerda. Er und seine tüchtige Ehefrau, Ida Marie geb. Knobloch, auf deren Namen das Gewerbe eingetragen war, verstanden es, die Bäckerei erfolgreich zu führen.
Schon nach 4 Jahren waren die Hillers bei Geldgebern kreditwürdig geworden und in der Lage Grundstück und Bäckerei zu kaufen. Am 2. September 1910 wurde das eigne Geschäft eröffnet. 15 Jahre später gab es nochmals eine größere Investition. Die Firma Werner & Pfleiderer aus Dresden baute für Hiller 1925 einen neuen Dampfbackofen ein. „Viennara“ V11/2 hieß der Ofentyp, der fast 75 Jahre der Mittelpunkt der Bäckerei war.

1933 wurde die Bäckerei auf den Sohn Karl Walter Hiller und seine Ehefrau Helene, geb. Menzel übertragen.

Von 1933 bis 1938 führte Hiller zur Weihnachtszeit ein „Stollenbuch“ über die Lohnbäckerei seiner Kunden. Die Stollenbäckerei begann in der letzten Novemberwoche und endete am 22. Dezember. Jährlich ließen 120 bis 125 Kunden ihre Stollen abbacken. Ein bis zwei Metze Mehl (8 bis 16 Pfund) und den Zutaten Rosinen, Mandeln und But-ter oder Schmalz, sowie Zitronat für 4 bis 8 Stollen zu verbacken, waren die meisten Aufträge der Kunden. Die Spitze hielt 1935 Fam. Kretzschmar von der Bergstraße mit 32 Pfund Mehl für 16 Stollen. 1936 brachten 125 Kunden Teig und Zutaten für 774 Stollen. Das Besondere an dieser Aufzeichnung ist, dass Hiller die Qualität des fertigen Stollens einschätzte und notierte. Für die Qualität stand meistens ein „schwer“ oder „sehr schwer“ und für die Beschaffenheit ein „gut“ oder„sehr gut“. Es war ein großes Lob für die backfreudigen Frauen aus Ottendorf- Okrilla, zeigte aber auch, dass die Stollen aus dieser Zeit schon sehr inhaltsreich waren.
Jahrzehntelange Familientraditionen standen dahinter und manches Rezept mit den besonderen Nuancen wurde streng gehütet. Aber auch Kritik blieb nicht aus: „ Teig warm und kurz, mit Maschine und kaltem Wasser nachgearbeitet, Stollen klein und derb“ oder „sehr bröcklich und gerissen“ schrieb Hiller. Selbst die eignen, privat gebackenen Stollen erschienen unter Hiller, jun. und Hiller, sen. mit Qualitätseinschätzungen im Buch. Daneben verkaufte er auch Stollen nach Haus-Rezept und nach Bestellung. Je nach Größe und Qualität bot er Stollen zu 2,50; 3 und 4 RM an, wie aus seinen Aufzeichnungen zu ersehen war.
Weihnachten 1939 blieb das Stollenbuch leer. Als einziger Bäckermeister von Ottendorf–Okrilla wurde Walter Hiller eingezogen und überlebte den Krieg nicht. Während des Krieges waren die Ehefrau und wieder der Vater für die Bäckerei zuständig. Von 1946 bis 1949 untersagten die Behörden der Bäckerei das Backen. Helene Hiller verkaufte deshalb Brot aus der Steinmetzmühle in ihrem Laden. 68 Pfennig war der Preis für ein Vierpfundbrot, das es nur auf Lebensmittelkarte gab. Davon blieben 8 Pfennige für die Hillers. So war auch mancher kleiner anderer Handel nötig, nicht nur um die Familie zu ernähren sondern auch Kunden zu halten und das Geschäft zu beleben. Es gab u.a. „Ausflüge“ mit dem Rad nach Pulsnitz, da die Versorgung im Kreisgebiet Kamenz besser war und man heimlich Zucker und Mehl zu Pfefferkuchen tauschen konnte.
1949 ging das Backen bei Hillers wieder los. Altmeister Reinhold Hiller unterstützte als 70-Jähriger seine Schwiegertochter nochmals tüchtig. 1954 war seine Kraft am Ende. Sein Tod hatte zur Folge, dass die Bäckerei vorübergehend in fremde Hände gegeben werden mußte. Es gab keinen Bäcker mehr in der Familie. Staatliche Vorschriften verlangten plötzlich den Erhalt der Bäckereien, um die Bevölkerungsversorgung zu sichern. Der aus Schlesien vertriebene Bäckermeister Richard Hennig pachtete für 5 Jahre das Geschäft. In der Zwischenzeit lernte die Hiller-Tochter Elfriede einen jungen Bäcker namens Hofmann kennen und lieben.

1959 erhielt der Bäckermeister Fritz Hofmann und seine Ehefrau Elfriede die Gewerbeerlaubnis.

30 Jahre betrieben sie ihre Bäckerei. In dieser Zeit waren nicht nur Backwaren für die Hofmanns wichtig. Baureparaturen und diverse Um- und Neubauten verlangten auch die Beschäftigung mit Kontingenten, Baubilanzen, Krediten, Baustoffbeschaffung und Baufirmen.
Gesundheitliche Gründe des Meisters erzwangen die Aufgabe des Geschäftes im Jahr der Wende, 1989.

Nun war der Sohn, Bäcker- und Konditormeister, Gunter Hofmann gefragt.

Er ging das Wagnis ein. Erste Erfahrungen mit der Selbständigkeit hatte er in Meißen gesammelt. Mit einer großzügigen Investition, tatkräftig und umsichtig, schaffte er es, die Bäckerei am 12.12.1994 wieder zu eröffnen.
Das Erbe seines Urgroßvaters Reinhold Hiller hat nun Gunter Hofmann erfolgreich angetreten. Ob er auch ein Stollenbuch führt? Fragen Sie ihn doch selbst.

Autor D.Mauerhoff. Geschichte der Bäckerei Hiller/Hofmann in Ottendorf-Okrilla

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